Marian Steinbach: Blog

ZEIT Online, ich wünsch mir was von Dir

2010/03/20

Liebe ZEIT Online,

ich bin großer Fan von Dir. Ich kenne Dich schon lange, und seit Du Dich Ende 2009 hast generalüberholen lassen, mag ich Dich noch viel lieber. Ich kenne auch Deine Mutter aus Papier. Sie kommt jeden Donnerstag zu mir nach Hause und bringt guten Journalismus auf großen Seiten. Ebenso lieb ist mir Deine mobile Schwester, die mich gerne mal unterwegs auf dem Handy mit Inhalten versorgt.

Ich bin keiner von diesen Kunden, wegen denen Deine Familie ihr Geschäftsmodell komplett umkrempeln müsste. Ich zahle Euch jedes Jahr (im Voraus!) für das, was ich von Euch bekomme. Zuletzt habt Ihr im Mai von mir 166,40 EUR gekriegt. Kommenden Mai wird es mehr werden, denn Ihr habt die Preise für Eure Leistungen angehoben. Ist mir Recht! Guter Journalismus, gutes Informationsdesign, all das muss bezahlt werden.

Aber, bei allem Lob gibt es doch etwas, das mich stört. Einen Wunsch, den ich loswerden möchte. So sind wir Kunden. Reicht man uns einen Finger, wollen wir immer gleich die ganze Hand.

Liebe ZEIT Online, ich würde Deinen Content noch viel mehr genießen und wertschätzen können, wenn Du ihn mir ohne Werbung darin servieren würdest. Denn die Werbung stört mich. Egal ob sie mitten im Artikel, rechts neben dem Artikel oder oben und rechts außen neben der Seite steht. Besonders störend ist sie, wenn sie animiert ist. Da kann ich einfach nicht wegsehen. Und das macht mir die Konzentration auf Euren Content zunichte. Das bringt mich so weit, dass ich Dir diesen Brief schreibe. Das bringt mich so weit, dass ich einen anderen Browser wähle als ich eigentlich nutzen möchte, damit ich Werbung ausblenden kann. Das bringt mich dazu, mich mit Themen zu beschäftigen, die mich gar nicht interessieren.

Nein, ich will Deinen Content nicht umsonst. Ich will weiterhin dafür zahlen. Nur frage ich mich, ob ihr mir obendrauf unbedingt noch Werbung anzeigen müsst, die ich verachte und die ich nie im Leben anklicke.

Mein Vorschlag wäre, dass ich mich einfach bei Dir auf der Website einlogge, damit Du mich als Abonnent erkennst. Benutzername und Passwort habe ich für den Premium-Service schon angelegt. Du merkst Dir einfach per Cookie, dass ich es bin. Und wenn Du siehst, dass ich es bin, blendest Du die Werbung einfach nicht ein. Schon kann ich Deine Seiten ohne Werbung genießen. Du würdest Dir sogar noch Bandbreite und Ressourcen für Deinen Adserver sparen, die Seiten würden schneller laden und wären endlich so gut lesbar, wie es dem Content angemessen wäre. Und ich würde all meinen Freunden und Bekannten erzählen, wie toll Du auf Deine Kunden eingehst.

Das wünsche ich mir von Dir.

Dein treuer Leser

Marian

2 Comments

Konstantin on 2010/06/07 at 11:33h GMT:

Wird nicht klappen. Dein Abo-Geld für Print finanziert lediglich das Papier, den Print, die Logistik. Die Inhalte werden über Werbung in der Zeitung finanziert.
Desweiteren sind Print und Online zwei eigenständige Profit Center.

Marian Steinbach on 2010/06/08 at 18:05h GMT:

Dann muss ich wohl so langsam aber sicher auf das Papier verzichten.

Dass Print und Online zwei eigenständige Profit Center sind, dürfte den meisten Kunden ziemlich egal sein. Und das sollte es auch sein. Es sollte Aufgabe der ZEIT (und anderer Medien), die Hürde zwischen Print und Online abzubauen.

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