Wer ins Oberallgäu fährt und eine Leidenschaft für das Radfahren mitbringt, wird vielleicht auf die Idee kommen, mit dem Mountainbike auf den Grünten, den “Wächter des Allgäus”, zu fahren.

Spoiler: es macht keinen Sinn und ist gefährlich.

Mir ging es auch so. Der Grünten ist ein alleinsteheder, attraktiver Gipfel und mit 1738 m höher als viele andere Berge in der Umgebung. Außerdem gibt es (außer für Mitarbeiter_innen des Bayerischen Rundfunk) keine Bergbahn. Also bleibt einem nur, aus eigener Kraft hinauf zu kommen. Wäre es möglich, das mit dem Mountainbike zu machen?

Ich bemühe Google und finde Informationen, dass es Touren-Guides gibt, die solche Touren anbieten. Im Sommer am Abend hoch, um vom Gipfel aus die Sonne untergehen zu sehen. Dann in der Dämmerung wieder runter. Sogar mit dem E-Bike soll das funktionieren. Sprich: auch weniger sportliche Fahrer_innen mit schwerem Gerät werden angesprochen.

Auf Komoot baue ich mir Routen von verschiedenen Ausgangspunkten auf den Gipfel. Das Ergebnis: in Wagneritz geht es los, dann über steile Serpentinen auf der Nordwestseite etwa bis zur Hälfte. Danach nach Norden/Nordosten und ziemlich geradlinig bis zur Grüntenhütte. Auf Teilstücken wird eine Steigung von 26, 30 und sogar 36 Prozent erreicht. Dafür ist der Untergrund zum größten Teil alsphaltiert. Komoot warnt:

“Schwere Mountainbike-Tour. Sehr gute Kondition erforderlich. Fortgeschrittene Fahrtechnik notwendig. Auf einigen Passagen wirst du dein Rad vielleicht schieben müssen.”

Okay, sage ich mir, Schieben ist in Ordnung, und lade die Tour auf meinen Fahrradcomputer.

Bis zur Grüntenhütte (1477 m) muss ich nur ein einizes Mal vom Rad, weil ich die Steigung nicht schaffe. Der Rest ist aber kein Zuckerschlecken. In der Stille kann ich meinen Puls hören, laut und schnell, auch wenn ich im Schnitt nur mit sechs km/h vorankomme. Egal, es geht mir nicht um Geschwindigkeit.

Ab der Grüntenhütte ist es mit dem Asphalt vorbei. Hier bestimmen Erde und grobes Geröll den Untergrund. Und es wird steiler. Schon nach wenigen hundert Metern ist es mit dem Fahren für mich vorbei. Ich schiebe mein Rad, in der Hoffnung, dass wieder besser fahrbare Wege folgen.

Die Hoffnung wird leider enttäuscht. Der Aufstieg wird immer felsiger. Der gekennzeichnete Wanderweg führt am steilen Hang über verblockte Serpentinen. Mir ist klar, dass ich das auch bergab nicht werde fahren können. Teilweise wuchte ich mein Rad auf den Rücken, weil Schieben hier nicht mehr funktioniert. Kein besonders sicheres Gefühl, mit nur halbwegs griffigen MTB-Schuhen und Cleats, ohne eine freie Hand, über die Felsstufen zu kraxeln. Während ich balanciere, frage ich mich, was E-Biker an solchen Stellen machen…

An einem Wegweiser, der den Gipfel in fünf Gehminuten in Aussicht stellt, lasse ich mein Rad schließlich einfach stehen. Es ist kein Mensch in der Nähe. Und wäre da einer, dann hätte dieser sicher besseres im Sinn, als mein nicht mehr zeitgemäßes MTB vom Berg zu schleppen.

Für den Weg nach unten entscheide ich mich, die Empfehlung von Komoot zu ignorieren und auf genau dem gleichen Weg abzusteigen bzw. zu fahren, auf dem ich gekommen bin. Denn nach Komoot hätte ich auf der Südseite einen direkteren, noch steileren Weg nach Burgberg genommen. Nach meiner Erfahrung mit der bisherigen Komoot-Empfehlung (“Auf einigen Passagen wirst du dein Rad vielleicht schieben müssen”) ist meine Abenteuerlust gering und ich setze auf Sicherheit.

Allen, die Lust haben, den Grünten größtenteils mit dem Rad zu erklimmen, empfehle ich: Nehmt ein Fahrradschloss und, falls ihr mit Klickpedalen fahren wollt, ein paar bergtaugliche Schuhe (stabile Turnschuhe könnten reichen) mit. Stellt das Rad an der Grüntenhütte ab und geht die letzten 20 bis 30 Minuten zu Fuß. Was selbstverständlich sein sollte: prüft vor der Tour eure Bremsen, denn die werdet ihr bergab intensiv beanspruchen.

Habt Ihr andere Erfahrungen gemacht? Schreibt einen Kommentar oder mailt an marian AT sendung.de.

Ist steil, sieht steil aus

Letzter Fahrradständer vor dem Gipfel

Jägerdenkmal und Sendemast auf dem Grünten

Blick vom Gipfel in Richtung Norden